Als friedlich oder gutmütig werden Vogelspinnen bezeichnet, die sich nur äußerst selten oder sogar nie der ihnen zur Verfügung stehenden Verteidigungsmöglichkeiten bedienen (toller Satz, gell?). Die Verteidigungsmöglichkeiten einer Vogelspinne sind: das Abstreifen von Brennhaaren, die sich auf dem Abdomen (Hinterleib) befinden, das Zuschlagen mit den Vorderbeinen und der Giftbiß. Eine Einschränkung muß hier gemacht werden: viele Vogelspinnenarten besitzen Brennhaare und zählen somit zu den sogenannten Bombadierspinnen. Viele dieser Bombadierspinnen-Arten sind aber trotzdem sehr friedlich und manche setzten ihre Brennhaare so gut wie nie ein. Das Unangenehme bei diesen Brennhaaren ist, dass sie auf der Haut einen unterschiedlich starken Juckreiz hervorrufen können, der auch mal ein paar Tage anhalten kann. Meist werden die Hände erwischt, aber nach 1 - 3 Tagen ist der Zauber in der Regel wieder vorbei. Etwas unangenehmer ist es, wenn diese Brennhaare mit den Schleimhäuten in Berührung kommen. Das kann dann schon mal Auswirkungen haben wie bei einem kleinen Schnupfen. Meist reicht der Brennhaar-Wirbel aber nicht bis zur Nase oder zum Mund, es sei denn, man neigt dazu seine Nase einfach überall reinzustecken. Natürlich gibt es auch Bombadierspinnen, die nicht als friedlich bezeichnet werden können. Dazu gehören insbesondere viele Pamphobeteus- und Lasiodora-Arten. Ganz allgemein ist es aber recht schwierig, genau zu sagen, wo Friedfertigkeit aufhört und Aggressivität anfängt. Auch hier gilt wieder: der individuelle Charakter des Tieres ist mit entscheidend. So können sich auch einzelne Tiere der friedlichen Arten als etwas aggressiv erweisen und umgekehrt können sich einzelne Tiere der aggressiveren Arten recht friedlich verhalten. Beispielsweise wollten wir unser Purpurea-Männchen mit einem unserer Purpurea-Weibchen verpaaren. Die Gattung Avicularia purpurea gilt als friedlich. Wir setzten also das Männchen zum Weibchen. Dieses verhielt sich jedoch so aggressiv, daß wir unseren Prinzen schleunigst wieder aus dem Terrarium herausholen mußten. Wir haben ihn dann zu unserem zweiten Weibchen gesetzt. Dieses fühlte sich durch das Männchen überhaupt nicht gestört. Die beiden saßen monatelang im selben Terrarium, manchmal sogar friedlich nebeneinander im selben Netz. Erst als das Weibchen einen Kokon gebaut hatte, haben wir das Männchen in ein anderes Terrarium gesetzt.

Generell kann man sagen: friedliche Vogelspinnen gehen nur äußerst selten bis nie in Angriffsstellung oder greifen den Pfleger an. Auch der Giftbiß wird in der Regel nicht eingesetzt. Wenn eine friedliche Vogelspinne sich bedroht fühlt, flüchtet sie erstmal und/oder streift Brennhaare ab. Einige Arten, insbesondere Avicularia-Arten, sowie einige Brachypelma- und Grammostola-Arten strecken auch ihr Abdomen (Hinterleib) hoch, in der Hoffnung, daß der vermeintliche Angreifer dieses berührt und sich somit ein paar Brennhaare einhandelt. Wenn das alles nichts nützt huscheln sich die Tiere zusammen und verharren so. Manche versuchen sich geradezu am Bodensubstrat, auf Korkrinde oder an den Terrarienscheiben festzusaugen. Sie sitzen dann da und haben Angst. Das ist in der Regel ihre ganze Verteidigung. Manche neigen auch dazu, beim Öffnen des Terrariums auf den Pfleger zuzuspringen. Dies wird oft mißverstanden. Das ist kein freudiges Entgegenspringen (hallo, da bist Du ja!). Es ist aber auch kein Angriff, obwohl es manchmal so aussieht. Es ist einfach nur eine Schreckreaktion. Meist laufen die Tiere dann auch gleich in der anderen Richtung davon.

Zum Schluß noch ein Wort zum Verhalten der Tiere beim Kauf und kurz danach: beim Kauf einer Vogelspinne wird diese meist in eine sogenannte Heimchendose oder einen vergleichbaren Behälter gesetzt. Beim Kauf auf Börsen sitzen die Tiere meist schon in so einem Transportbehältnis. Öffnet man nun zu Hause diesen Behälter kann es manchmal sein, daß sich das Tier anscheinend sehr friedlich verhält, sich anfassen und sogar kraulen läßt. Oder aber das Tier verhält sich dem Anschein nach aggressiver als für die jeweilige Art üblich. Manchmal läßt es sich auch erst anfassen, um dann plötzlich loszurennen oder sogar in Angriffsstellung zu gehen. Diese Verhalten ist in der Regel nicht das normale Verhalten der Spinnen. Die Tiere stehen ganz einfach unter Stress, sind manchmal sogar geschockt. Das normale Verhalten stellt sich dann erst nach ein oder zwei Tagen ein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Bezeichnung "aggressiv" ist eigentlich in Bezug auf Vogelspinnen mißverständlich, wenn man das Wort im "menschlichen" Sinn interpretiert. Eigentlich gibt es keine aggressiven Vogelspinnen. Das, was wir als aggressiv bezeichnen, ist im Grunde genommen nur ein natürliches Verteidigungsverhalten im Falle einer (vermeintlichen) Bedrohung. Im Unterschied zu den sogenannten friedlichen Vogelspinnen setzten die als aggressiv bezeichneten Arten dabei aber zur Abwehr auch ihre ganze Palette an Verteidigungsmöglichkeiten ein, d.h. sie schlagen mit den Vorderbeinen zu oder beißen sogar, und das manchmal ohne Vorwarnung. Bombadierspinnen, die zu den aggressiveren Arten zählen benutzen zuerst diese Verteidungsmöglichkeit, bevor sie ihre anderen "Waffen" einsetzen. Bei vielen der als aggressiv bezeichneten Vogelspinnen kann man jedoch deutlich sehen, wenn ein Angriff bevorsteht. Die Tiere richten dann ihren Carapax (Vorderkörper) um fast 90° auf, erheben die Taster und Vorderbeine und spreizen meist auch die Celizeren (Beißwerkzeuge) auseinander. Sie gehen in die sogenannte Angriffsstellung. Jetzt ist Vorsicht geboten und Rückzug angesagt. Beim Pflegen von aggressiven Tieren ist schon einiges an Erfahrung nötig. Zudem können sich alle Vogelspinnen, wenn es drauf ankommt, sehr schnell bewegen und gerade einige aggressive Arten bringen es auf rekordverdächtige Geschwindigkeiten. In der Regel werden alle afrikanischen und asiatischen Vogelspinnen als aggressiv eingestuft. Hinzu kommen einige südamerikanische Arten, wie Theraphosa blondi (manchmal immer noch als Theraphosa leblondi bezeichnet) und Xenesthis immanis. Für Anfänger gilt daher: erst mal Hände weg von diese Arten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die wissenschaftlichen Namen der Vogelspinnen, sind an und für sich eigentlich kein Problem. Die lernen sich mit der Zeit ganz von allein. Das Problem liegt darin, das diese Namen sich immer mal wieder ändern können. Der Grund: immer wieder kommt es vor, daß eine Vogelspinne für eine Weile - manchmal sind es Jahre - einer bestimmten Art zugeordnet wird und dann aufgrund neuer Untersuchungen in eine andere Art gestellt wird. Oder eine Vogelspinne trägt zuerst einmal so etwas wie einen "Behelfsnamen" - häufig ein Gattungsname mit dem Zusatz "Spec." - und bekommt dann irgendwann einen "richtigen" Namen. Generell bestehen Vogelspinnen-Namen - etwas unorthodox ausgedrückt - aus einem Nachnamen und einem Vornamen. Der Nachname kommt immer zuerst, beispielsweise Grammostola, Brachypelma oder Avicularia. Dieser Name bezeichnet die eigentliche Gattung, als die Vogelspinnen-Familie in die eine Vogelspinne eingeordnet wird. Darauf folgt der Vorname, d.h. die Art, der eine Vogelspinne innerhalb ihrer Gattung angehört, also beispielsweise Grammostola rosea, Brachypelma smithi, Avicularia huriana. Wenn eine Spinne nach wissenschaftlichen Untersuchungen in eine andere Gattung gestellt wird, ändert sich nur der Nachname. So wurde z.B. aus Brachypelma pallidum inzwischen Aphonopelma pallidum. Bleibt die Spinne in der selben Gattung, wird aber innerhalb dieser Gattung einer neuen oder anderen Art zugeordnet, so ändert sich nur der Vorname. Dies geschieht insbesondere, wenn Tiere, die zuvor nur einen Spec.-Namen hatten, endlich einen "richtigen" Namen bekommen, vielleicht weil man eine spezifische Eigenschaft endeckt hat, die Namensgeber werden kann, oder weil sich ein Namenspatron gefunden hat (viele Vogelspinnen sind nach ihren Entdeckern oder nach verdienten Arachnologen (Spinnenforschern) benannt). So wurde lange Zeit eine Brachypelma-Art aus Guatemala als Brachypelma Spec. Guatemala angeboten. Inszwischen heißt sie Brachypelma sabulosum. Sabulosum kommt von dem lateinischen Wort "sabulosus", was "sandig" bedeutet. Nicht immer ändert sich jedoch nur eine Namenshälfte. Manchmal ändert sich der Name auch komplett. Die Information über eine Namensänderung braucht meist eine Weile, bis sie sich rumgesprochen hat. Gerade in den letzten Jahren sind vermehrt Arten in Deutschland zu erhalten, die früher hier nicht angeboten wurden. Außerdem wurden einige neue Arten entdeckt. Die ältere Vogelspinnenliteratur führt diese Spinnen natürlich nicht auf. Andere Vogelspinnen wiederum werden in der älteren Literatur noch mit ihrem inzwischen längst überholten Namen bezeichnet. So versuchen Anfänger immer wieder an eine Pterinopelma saltator zu kommen. In der älteren Literatur wird diese Spinne als besonders friedlich beschrieben. Sie heißt aber schon lange nicht mehr Pterinopelma saltator. Zwischenzeitlich wurde sie in die Gattung Aphonopelma gestellt und als Aphonopelma saltator angeboten. Inzwischen wird sie in die Gattung Eupalaestrus gestellt und als Eupalaestrus weijenberghi angeboten. Auch wird ihr der Rang, eine oder die friedlichste Vogelspinne zu sein, inzwischen von einigen anderen Arten streitig gemacht, die in der älteren Literatur aber noch nicht beschrieben werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die deutschen Namen der Vogelspinnen sind überwiegend Phantasienamen. Es gibt immer wieder Händler, die ihren Vogelspinnen einfach einen recht ansprechenden deutschen Namen verpassen. So kann unter Umständen ein und dieselbe Vogelspinne bei verschiedenen Händlern unter verschiedenen deutschen Namen geführt werden. Es gibt ein paar wenige deutsche Namen, die sich für bestimmte Gattungen eingebürgert haben. Dazu gehört die Bezeichnung "Kraushaarvogelspinne" für Brachypelma albopilosum, Rotfußvogelspinne für Avicularia metallica oder mexikanische Rotbeinvogelspinne für Brachypelma smithi. Auch in anderen Ländern gibt es sogenannte volkstümliche Namen für Vogelspinnen. Theraphosa blondi wird beispielsweise im englischen Sprachraum häufig als Goliath Spider bezeichnet. Wir stehen also mit phantasievollen Namen nicht alleine da. Es lohnt sich nicht, sich diese Namen zu merken. Wo sie auftauchen kann man sie getrost übersehen und besser nach den wissenschaftlichen Namen schauen. Diese sind auf der ganzen Welt gleich, von der Verwirrung durch Namensänderungen aufgrund von Neuzuordnungen einmal abgesehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Haut der Vogelspinnen besteht aus Chitin. Diese Chitinhaut wächst nicht mit, so wie unsere Haut. Um größer werden zu können, müssen Vogelspinnen daher von Zeit zu Zeit ihre alte Haut abstreifen. Diesen Vorgang nennt man "Häutung". Eine ganze Weile vor der eigentlichen Häutung bildet sich bei einer Vogelspinne bereits die neue Haut. Diese liegt quasi zusammengefaltet unter der alten Haut (die neue Haut ist ja größer, als die alte). Bei der eigentlichen Häutung streift die Vogelspinne dann die alte Haut (wissenschaftlicher Ausdruck: Exuvie) ab. Dazu legen sich die meisten Vogelspinnen auf den Rücken und strecken alle Beine von sich. Einige wenige Spinnen häuten sich im Stehen. Baumbewohner häuten sich in ihrem Wohngespinnst in einer halb stehenden Position. Hat die Vogelspinne einmal ihre Häutungsposition eingenommen, sollte sie auf keinen Fall mehr gestört werden. Vom Einnehmen der Häutungsposition bis zur eigentlichen Häutung kann einige Zeit vergehen, manchmal sogar ein paar Stunden. In dieser Zeit verharrt die Vogelspinne unbeweglich in ihrer Häutungsposition. Der Häutungsvorgang selbst ist für die Spinne sehr anstrengend. Während der Häutung ist sie auch hilflos. Sollten sich noch Futtertiere im Terrarium befinden, besteht die Gefahr, daß diese die Vogelspinne anfressen, was ein Verbluten der Spinne zur Folge hätte. Einige Arten häuten sich "im Freien", also außerhalb ihrer Wohnhöhlen. Diese sind durch Futtertiere natürlich besonders gefährdet. Viele Vogelspinnen ziehen sich allerdings zur Häutung in ihre Wohnhöhle zurück und schließen diese mit Erde, Laub und Spinnfäden. In dieser Abgeschiedenheit verharren einige Spinnen manchmal wochenlang bis zur Häutung und auch danach kann es noch 1 - 2 Wochen dauern, bis sie wieder hervorkommen. Baumbewohner spinnen vor einer Häutung die Eingänge ihrer Wohngespinnste zu. Es ist trotzdem sicherer, generell Futtertiere vor einer Häutung aus dem Terrarium zu entfernen.

Die neue Haut der Vogelspinne ist anfangs noch recht weich. Es dauert schon ein paar Tage, bis sie ausgehärtet ist. Bei einer Häutung wird aber nicht nur die Haut erneuert, sondern es findet eine Art rundherum Erneuerungsprozess- und Reinigungsprozess statt. Auch die Freßwerkzeuge, die Augen und evtl. fehlende Gliedmaßen werden erneuert. Daher dauert es auch ein paar Tage, bis die Vogelspinne nach einer Häutung wieder fressen kann, denn auch ihre Chelizerenklauen (Beiß- und Freßwerkzeuge) werden mit erneuert und sind nach der Häutung für einige Tage zum Fressen noch zu weich. Häutungszyklus und Dauer einer Häutung sind vom Alter der Vogelspinne abhängig. Spiderlinge häuten sich noch ca. alle 4 - 6 Wochen. Jungspinnen nur noch ca. alle 3 Monate. Dann nur noch ca. alle 6 Monate, schließlich nur noch einmal im Jahr. Mit zunehmendem Alter findet eine Häutung dann nur noch alle zwei Jahre statt. Alte Weibchen häuten sich schließlich gar nicht mehr. Männchen häuten sich bereits nach der Reifehäutung nicht mehr. Der eigentliche Häutungsvorgang dauert bei Spiderlingen und Jungspinnen ca. 1/2 - 1 1/2 Stunden. Mit zunehmendem Alter dauert es immer länger und bei großen, adulten Vogelspinnen kann der Häutungsvorgang bis zu 24 Stunden dauern.